Wieso Disziplin das A und O ist

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In meinen anderen Artikeln erwähnte ich oft, dass Disziplin von sehr grosser Bedeutung ist im Parkour, aber auch im Freerunning. Einen Grossteil des Trainings ist oftmals ein mentales Training und vieles geht ohne eine bestärkende Routine nicht viel vorwärts. Heute erfährst Du, weshalb die Disziplin eine der schwierigsten Skills zu erlernen ist. Ich verrate dir auch, was den grössten Unterschied machen wird in deinem Training, in puncto: Erfolge erzielen und Fortschritte machen.

Unser Gehirn besitzt im Stammhirn Verhaltensweisen, die Millionen von Jahren alt sind und einzig alleine da sind, um unser Überleben zu sichern. Erfolge in einem Sport, einer beruflichen Karriere, in der Schule, oder wo auch immer, sind nicht notwendig um zu überleben – nur um unser Ego zu nähren. Teilweise hält uns unser eigener Verstand auf, Dinge zu unternehmen, die extrem wichtig wären, um mehr zu erreichen, als bloss zu überleben, was jedoch so gesehen purer Luxus ist. Aus diesem Grund bewertet dein Verstand alles, was nicht einen direkten Glückshormon-Ausstoss bewirkt als nicht erreichbar, unglaublich schmerzhaft, oder zeigt dir urplötzlich irgendwelche Ängste auf, die dich in deinem Handeln lähmen, wenn nicht sogar zu stoppen versuchen. Unser Verstand will uns klar machen, dass wir eine bestimmte Aufgabe (trainieren, lernen für ein Test, überwinden einer Angst, etwas neues versuchen, etc.) doch bereits gemacht haben, oder dass dies gar nicht mehr nötig ist, um zu überleben und bringt uns so dazu, dass wir nun zur Ruhe kommen. Ganz nach dem Motto: Höhlenmensch jagt Mammut, bringt es in die Höhle zur Gemeinschaft, isst und muss danach nichts mehr machen. Die Disziplin ist so gesehen, dass der Jäger danach ein zweites Mal rausgeht, um weiter zu jagen, diesmal z.B. aber einen Bären, weil Bärenfleisch und Bärenfell sehr kostbar und begehrenswert ist.

Meiner Erfahrung nach, sind von vielen mentalen Übungen die Disziplinübungen am schwierigsten und auch am schmerzvollsten, denn hier spielt dein „Trieb“ gegen deinen Verstand; You vs. You (Du gegen dich selbst).

Die Disziplin kannst Du ansehen wie einen Muskel – je öfters Du sie überwindest, desto stärker und besser wird sie. Genau so schnell ist sie aber wieder verloren. Ich stelle mir dabei diese Situation immer wie eine mir entgegen laufende Rolltreppe vor:

Um vorwärts zu kommen, musst Du ständig weitere Schritte nach vorne machen, bleibst Du stehen, bringt dich die Rolltreppe wieder zurück an den Anfang.

Nun, Muskeln trainieren, entgegen einer Rolltreppe laufen… Was heisst das nun?

Wenn Du weiter kommen willst mit deinem Training (aber auch vielen anderen Dingen), kommst Du nicht drumherum, mentales Training zu betreiben. Du musst deine Hirnzellen sprichwörtlich dazu trimmen, so zu funktionieren wie Du es willst, nicht wie dir deine urzeitliche Biologie vorschreibt. Zum Thema Disziplin gibt es Bibliotheken voll an Wissen und Informationen darüber, was sie ist, wie sie funktioniert und wie sie gestärkt werden kann. Gewisse Ansätze finde ich persönlich für das Parkour-Training extrem wertvoll und hilfreich, andere dagegen nicht gerade besonders passend. Ich wende die Meisten, die ich dir vorstellen werde, auch schon selbst an mir an, oder bin daran sie in mein tägliches Handeln einzubauen. Ich zeige dir nun die Besten Methoden, deine Disziplin zu trainieren und erkläre, wie Du diese in dein Training und deinen Alltag einbauen kannst:

110%-Regel

110% zu geben mag nicht für alle einfach sein, vor allem dann nicht, wenn man nicht mal weiss wo die persönliche 100%-Grenze liegt. Mit dieser Methode forderst Du dich ständig ein wenig mehr heraus und akzeptierst deine maximal mögliche Grenze von 100% nicht mehr. So ganz nebenbei: Woher weisst Du eigentlich wo deine 100% liegen, wenn Du sie nie an die Grenze treibst? Wenn du also zehn Liegestütze schaffst und kein bisschen mehr kannst, machst Du irgendwie noch eine elfte. Anderes Beispiel: Du lernst für die Schule, die Uni oder den Kurs jeden Tag 20 Wortkärtchen in einer Fremdsprache. Wendest Du die Methode an, lernst Du nun also 22 Kärtchen. Lerne deine Grenzen immer mehr auszureizen, denn so werden aus zehn Liegestützen schnell zwanzig, dreissig, ohne dass dich die Disziplin zurückgehalten hat. Du machst zwar harte, aber kleine Schritte, so überlistest Du den Schmerz, den Du hättest, würdest Du zu schnell, zu grosse Schritte machen. Die Suche nach deiner persönlichen Grenze in allem, erhöht automatisch deine Disziplin, weil Du es als Spiel ansiehst, nicht mehr als schmerzhafte Überwindung zu etwas.

1%-Regel

Ich bin absoluter Fan dieser Regel. Mir persönlich hilft diese Regel, Freude an ständiger Verbesserung zu verspüren. Dinge, bei denen ich mich überwinden muss, sehe ich so als Spiel. Mein Ziel ist dabei zu Leveln. Im Vergleich zur vorherigen Regel, gibst Du nicht bloss bei einer Sache 10% mehr. Du versuchst in irgendeinem Gebiet jeden Tag, egal ob Montag oder Sonntag, ein einziges, kleines Prozent besser zu werden wie gestern. Messen kannst Du bei dieser Methode leider nicht immer alles, nichts desto trotz treibt sie deine Disziplin in kleinen Schritten nach vorne. Wenn Du es schaffst, jeden Tag ein Prozent besser zu sein, wie gestern, bist Du am Ende des Jahres 365% besser in einer Sache und hast viele deiner Hürden beinahe mühelos überwunden.

Ein Stift und ein Blatt

Schreibe dir am Morgen auf ein Blatt, was Du an diesem Tag erreichen willst und arbeite daran. Am Abend checkst Du nach, ob Du die Ziele erreichen konntest, und gehst sofort daran, falls Du sie noch nicht erreicht hast. Wir neigen oft dazu, Dinge für wichtig zu empfinden, wenn wir sie nicht nur im Kopf behalten, sondern auch auf Papier aufschreiben. Ganz nach dem Motto: „Wer schreibt, der bleibt“.

Strafen

Meiner Meinung nach, ist diese Methode die gemeinste von allen, ist aber auch unglaublich viel effektiver wie andere. Ich selbst wende sie immer wieder an und kann sagen: man kriegt seinen Allerwertesten schneller hoch, wie einem lieb ist!.. Willst Du z.B. mehr Krafttraining machen, früher aufstehen, oder täglich frisch kochen? Schliesse mit jemandem eine klar definierte Wette ab, die zum Beispiel besagt: „Ich koche ab heute jeden Abend frisch für mich…“, und anschliessend erwähnst Du, was geschieht, falls Du es nicht machst: „…wenn ich es nicht mache, muss ich 20.- CHF (oder was Du dir vorstellst – und was auch schmerzt) an meinen Kollegen/meine Freundin, etc. bezahlen, dies logischerweise jedesmal, wenn Du dich nicht daran gehalten hast. Ihr könnt auch ausmachen, das Strafgeld in eine Kasse zu werfen und damit in den Ferien zusammen irgendwo hingehen – falls es doch so massiv angehäuft haben sollte… (Glaub mir, anfangs kostet einem die Disziplin viel – und nein, nicht nur Kraft).

Visionieren

Hast Du ein Ziel vor den Augen, für das Du extrem viel Überwindung und Disziplin benötigst? Falls ja, könnte dir das Visionieren eine gute Plattform bieten, an Disziplin zu gewinnen. Beim Visionieren stellst Du dir bildlich vor, wie Du dein Ziel bereits vor dir siehst, es erlebst, es schmeckst, es hörst, es berührst. Mental stellst Du dir vor bereits dort zu sein. Ist dein Verlangen dazu nun gross genug, ist der nächste Schritt zu handeln. Auch Schritte die viel Disziplin von dir verlangen, sind plötzlich nicht mehr so knifflig wie zu beginn der Übung.

5 Sekunden Regel oder „The 5 seconds rule“

Mel Robbins, berühmte Motivations- und Life-Coachin, beschreibt in ihrem Buch: „The 5 seconds rule“, wie wir unseren Verstand bei Disziplin Problemen austricksen können. Wenn wir vor einer Situation stehen, die uns im Handeln und der Disziplin zurückhält, müssen wir, sobald wir uns etwas in den Kopf gesetzt haben (z.B. fünf Liegestütze mehr zu machen) von fünf, rückwärts auf eins herunterzählen, und bei „eins“ den ersten Schritt diese Richtung machen. Während dieser kurzen Zeitspanne können wir genug Willenskraft für etwas aufbauen, ohne das uns unser Hirn dabei stoppt und hinein schreit: „Stopp! Das ist zu anstrengend…!“.

Worst Case Regel

Was könnte im schlimmsten Fall passieren, wenn Du etwas wichtiges nicht machst? In den meisten Fällen natürlich nicht all zu viel, ich fordere dich aber heraus, dir imaginär das aller aller schlimmste dafür vorzustellen. Wenn Du deine Liegestütze also nicht machst, kann es sein, dass Du auf einem zehn Meter hohen Dach runterfällst, weil Du keine Kraft mehr gehabt hast um dich zu halten. Nun sind deine beiden Beine gebrochen und das Parkour Training wird die nächsten Monate, wenn nicht Jahre nichts mehr… Überrissen, ich weiss, trotzdem kann dich eine solche Schock-Vorstellung relativ stark antreiben.

Bonus: In unserem Leben gibt es einen Mirko- und Makrokosmos. Der Mikrokosmos stellt deine täglichen Entscheidungen und Handlungen dar, während der Makrokosmos deine Veränderungen im Leben in einer Zeitspanne von ein paar Jahren darstellt. Um es dir verständlicher zu erklären: Jeden Tag 20 Wortkarten in einer Sprache lernen ist dein Mirkokosmos (dein tägliches Handeln). Machst Du dies kontinuierlich, am besten nach der 1% Regel, ist in deinem Makrokosmos (Resultate aus deinem täglichen Handeln), dass Du eine weitere Fremdsprache fliessend beherrschen wirst. Wichtig nun für dich: Je mehr Disziplin Du für deine Wünsche und Ziele aufbringst, je eher wird es zur Realität!


Versuche doch mal eine der Methoden aus und berichte mir in den Kommentaren, wie es bei dir geklappt hat. Ich freue mich über deine Meinung und dein Like, oder ein Share.

Bis dahin – Wir lesen uns im nächsten Artikel!

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