In diesem Artikel gehe ich eher auf eine persönliche Feststellung ein und erkläre dir, weshalb ich denke, was im Titel steht: Heutzutage nur Angsthasen oder Draufgänger. Ich zeige dir ausserdem, wie diese Herausforderung meiner Meinung nach gemeistert werden kann. Wichtige Anmerkung: Ich besitze keine psychologische Ausbildung, schreibe lediglich aus einer eigener, sich immer wiederholender Erfahrung im täglichen Umgang mit diversen Menschen.

In meinen wöchentlichen Trainings treffe ich auf Menschen jeden Alters, Herkunfts und Sozialstatus, und auch den verschiedensten Verhaltensweisen. Oft bemerkte ich, dass vor allem bei jungen Menschen, ein sehr ähnliches, erschreckendes Verhaltensmuster besteht. Konkret spreche ich damit von den heutigen jungen Generationen – den „Millenials“ – entweder sind sie Charakterlich volle Draufgänger und extrem übermutig, oder aber enorme Angsthasen, welche sich meist so gut wie nichts trauen.

Die übermütigen Draufgänger halten sich dabei beinahe für unsterblich. Sie können alles und verstehen alles, ihnen etwas auszureden ist so gut wie unmöglich. Ihnen ist nichts zu schwer oder zu riskant. Je mehr Action, desto besser. Wenn etwas nicht passt, dann macht man es schleunigst passend. Sie sehen sich selbst als Mittelpunkt des Universums, alles hat sich nach ihnen zu richten.

In der Fraktion der Angsthasen sieht es genau anders rum aus. Sie Sorgen sich um jedes kleine Ding, dass in ihrem Leben nicht rund läuft. Dabei kann, laut ihnen, alles nur erdenkliche schiefgehen. Sie trauen sich nicht sich zu überwinden und etwas einfach mal zu versuchen. Sie besitzen keine Klarheit, was sie wollen und wie sie es angehen sollen. Wenn sie sich schliesslich doch trauen sich zu überwinden, klappt das es zu einem sehr hohen Prozentsatz nicht. Sie versuchen es daraufhin noch ein, höchstens zwei weitere male, bis sie schlussendlich das Fazit ziehen: „Ich kann das nicht“. Teilweise fliegen im Anschluss zu diesem Satz noch Worte wie: „Ich bin so scheisse (…und leider noch schlimmeres).“ Sie sehen sich selber als: hässlich, dumm, nutzlos, misslungen und so weiter, und strahlen diese Energie auch an ihre Umwelt ab.

Einen Charakterzug zwischen diesen beiden, extrem verschiedenen Verhaltensweisen sehe ich nur noch ganz selten. Woran könnte das liegen?

Wie kommt es eigentlich dazu?

Obwohl wir im Vergleich zu älteren Generationen beinahe keine schrecklichen Erlebnisse hautnah mitmachen mussten, sind trotzdem viele aus der heutigen Generation derart stark in eine einzige Richtung gerichtet. Entweder zeigt sich in ihnen pure Egozentrik, oder aber ein Verhalten von eigener Wertlosigkeit. Mit grosser Wahrscheinlichkeit, ist ein solches Szenario selten in der Menschheit vorgekommen; man konnte es sich auch nicht Leisten. War man damals ein einsamer Wolf, hatte man ein stark verkümmertes Sozialleben. Freunde und Famile besassen einen viel höheren Stellenwert, wie in der jetzigen Zeit (Freunde waren Freunde fürs Leben, nicht bloss Freunde auf Facebook). War man aber zu selbstlos, verlor man jegliche Ernsthaftigkeit des Lebens und wurde schliesslich auch wieder sozial ausgegrenzt.

Liegt es am Bewegungsmangel?

Heutzutage haben Kinder weniger Bewegung wie noch vor 20 Jahren. Gespielt wird an der Videospielekonsole, oder am Smartphone, selten mehr draussen im Park. Dass Bewegung vor allem in jungen Jahren wichtig ist, ist kein Geheimnis und erkennen immer mehr Wissenschaftler in verschiedensten Fachrichtungen. Ihre Erkenntnisse bestätigen uns, was Sozial Pädagogen, Lehrer und Eltern schon lange annehmen: Kinder und Jugendliche tendieren eher dazu unkonzentriert und nervös zu sein, wenn diese ihrer Energie nicht freien Lauf lassen können und sich einfach mal austoben können.

Ich erinnere mich zurück, dass ich in meiner Jugend auch sehr unkonzentriert und nervös gewesen bin. Ich wüsste nicht wie es herausgekommen wäre, wenn ich nicht täglich draussen gewesen wäre. Dank der täglichen Beweung, konnte ich mein „inneres Druckventil“ genügend lösen, sodass ich nicht durchgedreht bin. In der Schule stundenlang zu sitzen war eine Qual für mich; die Pausen heilig – ich murmelte dann immer: „endlich herumrennen“. Wie sieht die Situation bei Kindern heutzutage aus, die öfters mal gamen?

Liegt es an der Schule oder an der Erziehung?

Gute Frage, so leicht zu beantworten ist sie aber trotzdem nicht. Klar erhält man in der Schule einen gewissen Ansatz der Erziehung, eine von Haus auf gute Erziehung kann das Schulsystem aber nicht abdecken. Teilweise sind die heutigen Schulen wegen dieser neuen Erwartung überfordert und können dieser Forderung nicht nach genügend nach kommen. Die Situation, dass viele Eltern entweder Alleinerziehend sind, oder nebenbei vollzeitig Arbeiten gehen müssen, macht es auch nicht einfacher, doch liegt hier das Problem? Ich sage Ja und Nein zugleich. Kinder, vor allem in jungen Jahren, suchen ständig nach Vorbildern und Idolen. Ich weiss noch genau, als ich damals, mit etwa sieben Jahren, unzählige Poster meiner Idole, irgendwelcher Wrestler und Fussballer, an die Wand gepappt hatte. Genau so wollte ich werden, und ja nicht anders. Nebst Idolen besitzen wir noch Vorbilder. Schwirren unsere Helden aber nicht konstant um uns herum und geben uns die Annerkennung, die wir suchen, so ersetzen wir sie mit anderen Vorbildern. Teils können diese positive Auswirkungen auf uns haben, Negative wirken aber genau so auf uns ein. Als „klassische“ neumodische Vorbilder zählen zum Beispiel YouTuber. Leider existieren in diesem riesigen Fischernetz nicht nur Delfine, sondern auch Haie. Gewisse YouTuber veröffentlichen wissentlich völlig naive, stupide und schädliche Videos, welche das Verhalten der Kinder massgeblich beeinträchtigen kann. Beispiele gibt es dazu wie Sand am Meer und werden auf YouTube leider enorm hoch gewertet. Wenn solche Menschen den Kindern wieder und wieder vorleben was lustig, cool, modisch und erstrebenswert ist, dann nehmen das Kinder an, ohne sich kritisch zu hinterfragen. Wieso sollten sie auch, ihre Stars sind ja schliesslich berühmt und heiss geliebt, die wissen schon, was sie machen. Wie ein Schwamm nehmen Kinder so deren Überzeugungen, Werte und Verhaltensweisen an. Ganz in der Annahme: Das ist cool, so will ich auch sein.

Soziale Medien – (neue) soziale Welt

In der heutigen Zeit schicken wir durchaus intimere Bilder und Botschaften durchs Netz, wie noch vor zehn Jahren. Jeder Frust, jede Freude, jede Errungenschaft, jeder Feiertag und auch jeder Ferientag wird in irgendeinem sozialen Medium geteilt, ganz gleich ob Facebook, YouTube, Instagram oder Snapchat. Eigentlich ja nichts schlimmes, doch verschwindet im Netz mehr und mehr der ’normale‘ Altagstrott – keiner will ein 34. Foto von jemandem sehen, der wie gewohnt in die Schule, oder zur Arbeit fährt. Das aktuelle Motto heisst: höher, weiter, gefährlicher, idiotischer, ekliger, cooler, krasser oder auch süsser (Katzenvideos zum Beispiel). Entweder ist etwas ein Eye-Catcher und erhält Beachtung, oder es wird ignoriert, da es als langweilig angesehen wird.

Eher ängstliche, zurückhaltende Kinder können durch diese Art tägliche ‚Nachrichten‘ noch mehr in Selbstzweifel und eigene Kritik geraten, da sie solch tolle Sachen anscheinend nie auf die Reihe bekommen würden. Da die Kinder nicht die Aufmerksamkeit erhalten, wie diese, die sehr bestimmt und oft „aufmerksamkeitsfangende“ Beiträge posten, meinen sie, sie seien nicht gut genug und hätten versagt. Somit sinken sie in eine immer tiefer werdende Negativspirale und kommen nicht mehr richtig heraus. Likes und Follows sind die heutigen Massstäbe, wie beliebt und toll man anscheinend ist.

Die mutige Fraktion sieht genau solche Dinge als Ansporn, noch kräftiger in die Pedale zu treten. Man ‚muss‘ schliesslich der hellste Stern am Himmel sein. Um ihrem Durst nach Anerkennung gerecht zu werden, treiben sie sich an, immer mehr zu machen, was krass und extrem ist, um genügend Aufmerksamkeit zu erhalten.

Ist der Mittelweg die Lösung?

Als Mittelweg verstehe ich, dass Kinder und Jugendliche zwar mutig sind, trotzdem aber nicht alles ohne zu überlegen machen. Wenn sie sich etwas in den Kopf setzen, richten sie jede Zelle ihres Körpers danach. Ihre Ziele und Ideen sind zwar waghalsig, dennoch planen und üben sie alles haargenau. Wichtiger aber: Sie sehen sich selbst nicht als ein wertloses Stück Papier, aber auch nicht als Fixstern des Universums. Dabei besitzen sie einen gesunden Egoismus, der ihnen selbst, aber auch anderen hilft weiter zu kommen im Leben. Im Buch: „Wir sind überall, nur nicht bei uns“, beschreibt der Psychologe Georg Milzner die psychologischen Hintergründe dazu, weshalb der Mittelweg unbedingt gefunden werden muss, wenn wir zukünftig nicht mehr in die Negativspirale gedrängt werden wollen. Georg Milzner bietet darin eine Schritt für Schritt Anleitung, uns wieder zum Mittelweg zu bewegen, ohne uns komplett von soziaen Medien zu isolieren, aber auch nicht in einen übertriebenen Konsum und Exzess zu verfallen. Falls dich für Buch interessierst, kannst Du es dir hier* als Taschenbuch, oder als eBook bestellen.

Zum Abschluss kann man sagen:

Wir selber, vor allem aber unsere Nachkommen, müssen besser auf die heutige Welt eingestimmt und vorbereitet werden. Lassen wir uns zu sehr in eine der Richtungen lenken, verlieren wir in beiden Fällen. Um den Mittelweg für uns finden zu können, dürfen wir die Verantwortung nicht an andere abgeben. Wir sollten uns und unsere Kinder so erziehen, dass nicht Likes unser Antriebsmotor sind, und keine Likes zu erhalten, uns ins Verderbnis stürzen lässt.

Wir müssen Vorbilder und Idole haben, die weder wöchentlich krasse Challenges machen, noch andere Leute beleidigen, um Aufmerksamkeit zu erhalten. Wir brauchen solche, die uns lehren das Beste aus uns herauszuholen. Mütter und Väter müssen wieder einen bedeutenden Stellenwert in unser jedem Leben erhalten (nicht bloss Erzeuger und Ernährer sein). Die Eltern spielen dabei nämlich eine grosse Rolle, uns vorzubereiten auf das Leben. Schulen unterstützen die Eltern dabei in Erziehungsaufgaben (sind aber nicht Hauptverantwortlich!). Soziale Medien können einen riesen Segen sein für Kinder, das Gegenteil kann jedoch auch ganz schnell zur unangenehmen Wahrheit werden.

Meiner Meinung nach, sollten die kommenden Generationen nicht einfach nur unterrichtet werden in den Schulen; sie sollten gecoacht werden. Konkret meine ich damit Dinge, wie die Persönlichkeitsentwicklung. Es reicht nicht mehr aus, ausschliesslich Daten in den Kopf zu pressen, man muss auch lernen, wie dieses Wissen anzuwenden ist. Themen wie: Beziehungen aufbauen, Umgang mit Kritik, Kreativität, das Entdecken einer eigenen Lernmethode die zu einem passt, Gesunde Ernährung, sowie Zielsetzung und Planung des eigenen Lebens, sind nur einige Beispiele die unbedingt notwendig wären, um eine solch riesige Schere zwischen völlig überheblich und enorm in sich gekehrt zu sein, abflachen könnte. Beide Charkterzüge besitzen Stärken. Wir müssen lernen das Beste aus beiden herauszupicken.

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Bis dahin – wir lesen uns im nächsten Artikel!

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